PFLEGETIPPS

Gute Segelpflege ist einfach, braucht etwas Zeit, aber es lohnt sich, denn Ihre Segel bleiben länger in gutem Zustand. Ob Sie neue Regatta-Segel aus Kevlar® oder Fahrtensegel aus Dacron besitzen, die schon ein paar Jahre alt sind: Ein wenig Pflege kann den Wert Ihrer Investition maximieren.

Hätten Sie es gewusst? Die Lebensdauer eines gut gepflegten Flugzeugmotors beträgt etwa 1'800 Betriebsstunden, die eines Automotors ist 2'000 oder mehr Stunden. Viele Fahrtensegler werden wahrscheinlich überrascht sein, dass die Lebenszeit ihrer 'Windmaschine' etwa in der gleichen Liga spielt.

Schläge bzw. flattern/ killen vermeiden

Das Wichtigste für die Schonung der Festigkeit und Form der Segel ist, Schläge zu vermeiden. Schlagen des Segels und Killen des Achterlieks schadet dem Segel enorm, so dass alles unternommen werden sollte, um dies zu vermeiden. Dies gilt speziell bei Kevlar®-Segeln, die innert wenigen Stunden an Qualität verlieren können.
Es gibt einige weitere Wege, die Lebenszeit Ihrer Segel zu verlängern. Bitte vermeiden Sie, mit Vollgas in den Wind zu gehen, wenn das Grosssegel gesetzt wird. Wenn das Gross gesetzt wird, ist das Schot so zu trimmen, dass das Segel nicht killt. Bei starkem Wind Segel reffen, damit es nicht zu schlagen beginnt. Gross- und Genua-Achterliek (Jakobsleine) soweit dicht nehmen, bis das Achterliek nicht mehr killt (braucht oftmals nur sehr wenig).

Überschreiten des vorgegeben Wind-Bereiches vermeiden

Einer der schnellsten Arten, ein Segel zu zerstören, ist, dieses bei mehr Wind als wofür es gebaut ist, einzusetzen. Vermeiden kann man dies durch striktes Einhalten der maximalen Windstärke, welche North für jedes Segel vorgibt. Normalerweise ist das Limit auf dem Schothorn jedes Regattavorsegels aufgedruckt. Wenn nicht, dann kann Ihr Segelmacher Ihnen die Zahl liefern, die Sie dann selber auf das Schothorn schreiben, damit die ganze Crew informiert ist.

Verschleiss vermeiden

Verschleiss ist ein anderes Problem bei den Segeln. Je mehr und je länger ein Segel an einem Bootsteil reibt, umso eher zeigen sich Schäden. Es gibt hier etliche Möglichkeiten, die Lebensdauer der Segel zu optimieren:
Als erstes gilt es, wo immer möglich jegliches Scheuern zu vermeiden (z.B. offenes Backstag an der Leeseite des Grossegels; Segel an Wanten vorbeireissen oder über rutschfeste Decks oder den Steg schleifen).

Dort, wo Scheuern nicht zu vermeiden ist, muss es wenigstens reduziert werden. Saling-Enden, Relingstützen und andere Teile des Riggs, welche ständig an den Segeln scheuern, sind mit Tape oder Leder zu schützen. Speziell wichtig ist dies bei leichten Segeln wie Spinnakern oder leichten Genuas. Prüfen Sie Ihr Boot auf ungeschützte Splinten, scharfe Enden von Beschlägen, ungeschützte Schraubenköpfe, Fallschäkel, etc. etc. und schützen Sie diese. Überprüfen Sie vor allem auch die Vorderseite des Mastes genau, denn Ihre Genua schleift bei jeder Wende darüber.

Sonnenschutz

Direktes Sonnenlicht ist ein böser Feind der Segel, denn der Verfall wird durch die UV-Strahlung erheblich beschleunigt. Deshalb sollten Sie die Segel – wenn diese nicht im Einsatz sind - stets vor der Sonne schützen. Ein Roll-Vorsegel sollte daher auf jeden Fall am Achterliek und Fuss des Segels einen aufgenähten UV-Schutz haben, damit das Segel auch aufgerollt geschützt ist. Oder man benutzt eine Vorstagspersenning, die den Vorteil hat, dass das Segel nicht schwerer wird. Wenn das Grossegel auf dem Baum aufgeschossen wird, ist eine Grossbaumpersenning nötig.

Segellagerung: Trocken und gefaltet

Wenn die Segel nicht gebraucht werden, sollten sie trocken, salzfrei und locker gefaltet im entsprechenden Segelsack aufbewahrt werden. Es ist zu vermeiden, die Segel stets in die gleichen Falten zu legen, da sonst acht oder zehn Knitterfalten immer am gleichen Ort entstehen. Die meisten One-Design-Segel halten länger, wenn diese gerollt im jeweiligen Langsack versorgt werden. Der Spinnaker wird am besten trocken und locker im 'Schlauch' oder im Segelsack versorgt. Spinnaker sollten nicht längere Zeit nass aufbewahrt werden, da dunkle Farben ausbleichen und Feuchtigkeit den Schimmelbefall begünstigt.

BESONDERHEITEN EINZELNER MATERIALIEN

Die modernsten Materialien von North geben den Segeln eine bessere Form und die Lebensdauer ist länger als je zuvor. Wir testen alle Material Lieferungen, die bei North Sails gebraucht werden, damit Sie den besten Gegenwert für Ihr Geld bekommen. Trotzdem benötigen die heutigen Stoffe etwas mehr Pflege, um sie in Form zu halten und ihr Potential so lange wie möglich zu erhalten.

Mylar

Segel aus einem Mylar Film, der auf einen Polyester Untergrund laminiert wird, sind für ihr Gewicht sehr formstabil, aber auch empfindlich. Folgende Punkte sind daher wichtig:

  • Das Segel darf nie über die empfohlene Windstärke hinaus benutzt werden.
  • Nie eine Genua einsetzen, wenn die Saling-Enden nicht geschützt sind.
  • Das Segel nie unnötig killen lassen.
  • Das Vorliek eines Mylar-Segels nie überstrecken. Mylarsegel benötigen nur leichten Zug für die richtige Positionierung. Eine Markierung am Fall hilft, diese Überdehnung zu vermeiden.
  • Keine Flüssigkeiten wie Treibstoff oder Putzmittel auf ein Mylar-Segel lassen, da diese den Klebstoff auflösen und damit die Materialien trennt.
  • Mylar ist hitzeempfindlich, d.h. ein Segel nie in die Nähe von Motoren oder anderen Hitze-Apparaten auf dem Schiff hinlegen.

Kevlar®

Kevlar ist extrem formstabil für sein Gewicht. Deshalb findet man Kevlar in vielen Regattasegeln in den Achterlieks, wo die Belastungen am Grössten sind. Trotzdem, auch ein Kevlar-Segel kann brechen, wenn es nicht gut gepflegt wird. Der Schlüssel dazu ist, es so wenig wie möglich killen und schlagen lassen.

Dacron

Dieses Material wird am häufigsten eingesetzt, sei es für Regatta- oder Fahrtensegel. Es offeriert eine gute Lebensdauer, wobei trotzdem unsere Ratschläge befolgt werden sollten, um die Qualität zu behalten.

Nylon

Praktisch alle Spinnaker und Gennaker sind aus Nylon gewoben. Das Material ist sehr beliebt, da es leicht und trotzdem stabil ist. Aber leichtes Nylon zerreisst auch schnell, so dass es ein 'sanftes Handling' erfordert. Wenn Sie einen kleinen Riss entdecken, können Sie ihn zur Not überkleben, aber das Segel sollte so schnell wie möglich von Ihrem Segelmacher fachgerecht repariert werden.

BESONDERHEITEN EINZELNER SEGEL

Es spielt keine Rolle, aus welchem Material Ihr Segel hergestellt ist, einige Empfehlungen sind immer zu beachten, denn sie verlängern das Leben des Segels.

Pflege Vorsegel

  • Die meisten Schäden an Vorsegeln - oft Leichtwind-Genuas - entstehen durch den Gebrauch bei zu starkem Wind. Wenn eine Bö unerwartet kommt, ist das Segel zu fieren, damit Druck weggenommen werden kann. Wenn die Stärke des Windes zunimmt, ist das Segel zu wechseln.
    Ein anderer Hauptschaden sind Risse, weil das Segel z.B. gegen die Saling drückt. Wichtigste Schutzmassnahme ist das Schützen der entsprechenden Stellen im Segel mit selbstklebendem Segelgewebe (Saling Patches), Versichern Sie sich zusätzlich, dass auch Saling-Enden und Relingstützen mit Leder und/oder Tape geschützt sind. Aber auch mit all’ diesen Vorsichtsmassnahmen erträgt es das Segel nicht, hart gegen die Saling zu drücken.

    Hinweise zur Fehlervermeidung:
    Achten Sie beim Wenden darauf, dass die Schot rechtzeitig geöffnet wird und nehmen Sie sie nach der Wende nicht zu dicht (Überdehnungen vermeiden).
  • Benutzen Sie bei den Salingen keine Räder, Rollen oder Auflagen, welche die Salinge nach aussen vergrössern (weniger Überstand = weniger Beschädigungen).
  • Kontrollieren Sie regelmässig die Nähte Ihres Segels in der Salingregion.
  • Achten Sie darauf, dass die Jakobsleine immer in der Tasche geschützt ist.
  • Wenn Sie ein Profilvorstag haben, benutzen Sie den Vorfädler, um das Vorliek nicht auszureissen.
  • Trimmen Sie das Segel nie, bevor es nicht ganz gesetzt ist.  

Pflege Grosssegel

Grosssegel werden oft übermässig beansprucht, weil sie bei allen Windkonditionen eingesetzt werden. Deshalb ist es besonders wichtig, auch diese Segel sorgfältig zu behandeln, um ihre brauchbare Lebensdauer zu verlängern. Wie erwähnt, ist der wichtigste Punkt, v.a. bei Kevlar Segeln, diese nicht killen zu lassen. Arbeiten Sie, wenn nötig, auch mit der Jakobsleine.

Einige weitere Hinweise:

  • Bei killendem Segel Achterlieksleine (Jakobsleine) dicht nehmen. 
  • Bei laminierten Segeln nicht zu stark am Cunningham ziehen.
  • Sicherstellen, dass Segellatten richtig eingesetzt sind.
  • Beim Reffen farbige Bändsel benutzen. So werden sie beim Ausreffen weniger vergessen.
  • Stellen Sie sicher, dass die Reffleinen richtig geführt sind, damit nicht zuviel Zug auf den Fuss entsteht.
  • Saling Patches helfen, das Grossegel zu schützen, wenn es gegen das Rigg schlägt.

Pflege Spinnaker

Nylon ist ziemlich dehnbar, so dass es grosse Kräfte ohne Schaden aufnehmen kann. Trotzdem, Spinnaker-Material ist sehr dünn und kann bei zu viel Wind kaputt gehen. Explosionsartiges Füllen nach einem Kollaps kann definitiv zu einem Problem werden. Ein weiterer bekannter Schaden entsteht, wenn durch scharfe Kanten etc. ein Riss entsteht. Meist geschieht das beim Setzen oder Bergen des Spinnakers. Achten Sie daher auf scharfe Kanten, Ecken oder Schrauben im Bereich, wo der Spinnaker gesetzt und geborgen wird, und kleben Sie diese ab. Es sollte auch sichergestellt sein, dass das Genua-Fall keine offenen Haken hat und der Bugkorb frei von hervorstehenden Splinten ist.

Pflege One-Design-Segel

Wie bei allen anderen Segeln ist es auch bei diesen Segeln wichtig, killen zu vermeiden. Manchmal ist das beim Start nicht zu vermeiden, aber zwischen den Rennläufen sollten die Segel geborgen werden statt sie killen zu lassen. Neue Segel sollten vor einer Regatta erst einmal für ein paar Stunden 'normal' eingesetzt werden. Laminierte Segel sollten immer gerollt aufbewahrt werden. Wenn Ihr Segel ein eingesetztes Fenster hat, muss vermieden werden, die Segel bei hoher Temperatur (z.B. im Auto) zu lagern. Salz zu entfernen geht am besten, indem das Segel an einem RUHIGEN Tag aufgezogen, mit Wasser abgespritzt und anschliessend getrocknet wird.

Am Saison-Ende können wir im North Sails Service Center die Segel überprüfen und die nötigen Reparaturen ausführen. Obwohl alle Segel mit der Zeit altern, etwas Sorgfalt im Umgang mit ihnen spart Ihnen schnell mehr Geld als Sie verlieren, wenn Sie die Segel killen lassen.

VERMEIDEN VON SCHIMMELPILZ

  • Lüften und trocknen Sie Ihre Segel regelmässig (speziell nach Regen). Dies kann z.B. bedeuten, dass Sie die Rollgenua an einem ruhigen, trockenen Morgen für eine Stunde ausrollen.
  • Sonnenlicht hilft, aber zu viel davon verursacht wieder andere Probleme.
  • Packen Sie die Segel nicht feucht und salzig weg (Salz zieht Feuchtigkeit an!). Lagern Sie die Segel an einem trockenen Ort.
  • Wenn das Boot für mehr als eine Woche nicht gesegelt wird, sollten Sie die Segel abschlagen und trocken lagern. Ev. können Sie jemanden beauftragen, Ihre Segel regelmässig zu lüften, speziell nach Regen. 

Massnahmen bei Schimmelbefall:

Die Behandlung muss schnellstmöglich erfolgen, sonst breitet sich der Schimmelpilz sehr schnell aus. Ein neuer Befall kann meist gut behandelt werden, der Aufwand ist relativ klein und der Befall noch an der Oberfläche. Wenn sich der Schimmel aber in den Fasern eingenistet hat, gibt es kaum mehr eine Chance, ihn zu behandeln.

Mit Schimmel befallene Segel, Ankerleinen, Persenninge etc. sind von nicht befallenen Teilen zu isolieren. Die sicherste Methode, dafür zu sorgen, dass neue Segel auch infiziert werden, ist, sie aneinander zu reiben.

Der populärste und einfachste Schimmelentferner ist Chlorbleiche für den Haushalt (Sodium Hypochlorid), im Handel als ca. 5 – 6 %ige Lösung erhältlich (Haushaltsreiniger, z.B. Domestos und Milton). Es ist ein unangenehmes Mittel, die Hersteller empfehlen, es noch mehr zu verdünnen. Tilex® und andere Schimmelpilzentferner bestehen meistens aus Sodium Hypochlorid in der Verdünnung von 3%, was die Gesundheit nicht gefährden kann.

ACHTUNG:
Auf keinen Fall Kevlar- oder Nylon-Segel mit chlorhaltigen Mitteln (Sodium Hypochlorid) behandeln!!!
Diese Vorschrift ist oft nicht bekannt! Wir haben Segler gesehen, die locker ihre Finger durch die Löcher im Spinnaker stecken konnten, nachdem dieser in einem gechlorten Schwimmbecken 'ausgespült' wurde.
Das heisst also, dass Kevlar und Nylon keinesfalls mit Tilex® oder ähnlichen Schimmelpilz bekämpfenden Mitteln (Sodium Hypochlorid) behandelt werden dürfen.

ACHTUNG:
Niemals Chlorbleiche und Ammoniak mischen!!!
Diese Mischung ergibt das Gas Phosgen, das während dem ersten Weltkrieg abertausende Menschen getötet oder verkrüppelt hat.

Bei hartnäckigen, tief sitzenden Flecken nützt eine oberflächige Behandlung nichts. Es ist nötig, die befallenen Stellen in einer Schimmelpilz-Entfernerlösung für mehr als 12 Stunden einzuweichen. Eine hohe Konzentration ist nicht notwendig, das Fungizid muss nur zu den Flecken kommen. Genügend langes Einweichen ist wichtiger als Rubbeln.

Nach der Verwendung von Chlorbleiche muss das Segel ausgiebig mit Frischwasser gespült werden. Reste von Chlor können langfristig strukturelle Schäden im Segel anrichten.

Falls sich Schimmelpilze mit der obigen Behandlung nicht entfernen lassen, unterlassen Sie weitere Versuche. Weitere Behandlungen werden nur wenig weiteren Schimmel entfernen, aber sie können andere Schäden anrichten.

Es hat sich in der Vergangenheit herausgestellt, dass Scotchguard® und ähnliche wasserabweisende Mittel den Schimmelpilz weder töten noch ihn verhindern können. Natürlich wird das Material gegen Nässe (= Nahrung für den Schimmelpilz) etwas unempfindlicher und das Segel lässt sich leichter reinigen, aber der Wert dieses Vorgehens ist sehr gering.

Dettol®, ein Haushaltdesinfektionsmittel, ist das stärkste und effektivste Fungizid, aber diverse Umwelt- und Gesundheitsorganisationen verbieten den Gebrauch von starken Fungiziden, da diese nicht nur Schimmel beseitigen, sondern auch für höhere Lebensformen eine Gefahr darstellen.

Was immer Sie für die Vernichtung und/oder Entfernung von Schimmelpilz benutzen, das Mittel wird in relativ kurzer Zeit wieder weggewaschen bzw. die Wirkung lässt nach. Man kann es mit dem Antifouling Anstrich des Unterwassers vergleichen. NorthCloth werden mit den stärksten erlaubten Fungiziden vorbehandelt, ohne dabei aber die Gesundheit von Mitarbeitern oder Kunden zu gefährden. Im Labor weisen die Werte eine 100 %ige Wirkung auf, doch in der Realität sieht es nicht so positiv aus.