10/25/2016

North Sails ganz persönlich - Gunnar Bahr

North Sails

North Sails ist stolz, mit Gunnar Bahr einen der besten Segler Deutschlands im Team zu begrüßen. Gunnar, der 2000 in Sydney gemeinsam mit Jochen Schümann und Ingo Borkowski olympisches Silber in der Soling gewann, ist seit Anfang des Jahres für den Vertrieb im Raum Berlin-Neue Bundesländer zuständig. Was den 41-jährigen Potsdamer antreibt, lesen Sie in unserer neuen Interview-Reihe „North Sails ganz persönlich“.

Sein erstes Boot war ein Optimist mit Holzmast, bereits im Alter von 15 Jahren wurde er DDR-Meister in der OK-Jolle. Nach dem Gewinn der Silbermedaille im Soling segelte Gunnar Bahr unter anderem Match Race, Drachen und Starboot, begleitete die Anfänge des deutschen America´s Cup-Teams United Internet. Heute ist Gunnar Bahr meist auf Yachten jenseits der 100 Fuß unterwegs. Bis zu 60 Tage im Jahr verbringt der Profisegler auf dem Wasser, unter anderem als Stammcrew der J-Class „Topaz“. Mit seiner Partnerin und seinem kleinen Sohn lebt Gunnar Bahr in Babelsberg vor den Toren Berlins.

North Sails: Gunnar, du bist sein März Teil von North Sails. Was reizt dich an der neuen Aufgabe?

Gunnar Bahr: North Sails ist ganz klar weltweiter technologischer Marktführer. Alle Boote, auf denen ich segle, sind mit North-Segeln ausgerüstet. Ganz selten ist mal ein Segel eines Mitbewerbers dabei, und in diesem Fall merkt man schnell, dass es einfach nicht dasselbe Produkt ist! Für den Marktführer tätig zu sein ist für mich natürlich eine ganz starke Motivation. Ich bin für Beratung und Verkauf im Raum Berlin und Neue Bundesländer zuständig. An dieser Aufgabe reizt mich, das Premiumprodukt, das North bietet, mit der gleichen engen und persönlichen Beratungs- und Serviceleistung zu kombinieren wie der lokale Segelmacher nebenan.

NORTH: Ein Großteil der deutschen Segler segelt Touren. Kannst du als Leistungssegler auch ihre Perspektive einnehmen?

GB: Ja, klar! Im Endeffekt funktionieren alle Boote gleich. Wenn ich auf ein Tourenboot steige, dann fallen mir sofort einige Dinge auf, die man ändern könnte, angefangen bei der Segeleinstellung über Riggtrimm und Deckslayout. Fahrtensegler kann man auf solche einfachen, aber höchst effektiven Verbesserungen viel schneller aufmerksam machen als professionelle Regattasegler. Für Segler, die nicht in einem Verein aktiv sind, ist der Kontakt zum Segelmacher oder Ausrüster auch häufig die einzige Möglichkeit, sich Tipps zu holen, wie sie an ihrem Boot noch mehr Freude haben können. Hier sehe ich noch großes Potenzial für das Premiumprodukt und den Premiumservice von North Sails.

NORTH: Segelst du selbst Touren zur Entspannung?

GB: Tatsächlich bin ich mit meiner Familie viel auf den Gewässern um Berlin unterwegs – allerdings auf einem Motorboot, einem Klassiker aus Holz von 1968. In diesem Sommer sind wir mit der „Karl Friedrich“ 300 Kilometer ins Binnenland Brandenburgs gefahren. Da kann ich super entspannen. Zumal man auf einem Motorboot weit reisen kann, ohne den Mast legen zu müssen!

NORTH: Du hast eine Olympiakampagne im Soling gefahren. Würde dich der Einstieg ins olympische Segeln noch einmal reizen?

GB: Eigentlich nicht. Denn eine Olympiakampagne bedeutet eine wirklich harte Zeit. Oft fehlt das Geld, viele Athleten müssen parallel zur sportlichen Karriere ihr Studium beenden. Und nur die wenigsten kommen mit einer Medaille zurück. Das einzige olympische Boot, das mich seglerisch gereizt hätte, ist der 49er. Doch außerhalb der olympischen Klassen sind in den vergangenen Jahren viele spannende Formate entstanden, zum Beispiel die foilenden GC32-Kats. Ich denke, hier liegt zumindest ein Stück weit die Zukunft des Segelns.

NORTH: Welche Segelprojekte stehen für dich im kommenden Jahr an?

GB: Ein Schwerpunkt liegt auf den Regatten mit der J-Class „Topaz“, gemeinsam mit Tim Kröger. In 2017 findet zeitlgleich mit dem America`s Cup auf Bermuda eine J-Class-Regatta statt. Ein echtes Highlight, genau wie die WM der J-Class-Yachten vor Newport, dem historischen Ursprungsort des America`s Cup. Ich freue mich aber auch auf Regatten mit meinem Hamburger Kollegen Bertil Balser auf der Soto 40 „Sportsfreund“. Da bin ich der älteste an Bord – das hatte ich sonst auch noch nie (lacht). Nachdem ich die vergangenen zehn Jahre im italienischen Team Robertissima unterwegs war, genieße ich es jetzt, mehr mit deutschen Mannschaften zu segeln. Mit den „einheimischen Jungs“ zu segeln ist eine schöne Sache.

NORTH: Zusammen mit Jochen Schümann bist du für den Yachtclub Berlin-Grünau auch bei der Segelbundesliga gestartet. Was hältst du von dem Format?

GB: Für mich ist die Segelbundesliga ein Superformat: kurze Rennen, viele junge Segler und ein sehr hohes Niveau, durch die europäischen Events auch länderübergreifend. Der Einwand, dass durch die Liga andere Klassen massiv an Seglern verlieren, zieht in meinen Augen nicht. Zum einen sind es gar nicht so viele Events. Und zum anderen erfordert die Liga zwar viel Training, aber das hilft in jeder anderen Klasse ebenso weiter. Die Liga ist ein tolles Übungsformat für alle Regatten: Wann macht man schon so viele Manöver, fährt so viele Starts und segelt gegen so gute Leute wie an einem Ligawochenende?

NORTH: Was ist dein persönlicher Höhepunkt der bisherigen Segelkarriere?

GB: Absoluter Höhepunkt war und ist natürlich die Silbermedaille in Sydney mit Jochen Schümann und Ingo Borkowski, die eigentlich eine goldene hätte werden müssen (eine umstrittene Penalty-Entscheidung im letzten Match Race-Flight kostete die deutsche Soling-Crew damals den Sieg gegen Jesper Bank, d. Red.). Noch immer, 16 Jahre nach Sydney, kommen Jochen und ich auf dieses letzte Rennen zu sprechen, zuletzt bei den Voiles de Saint Tropez, und sind immer noch enttäuscht. Das wird uns nie loslassen.