Schritt 2:

Die Tiefe mit der Mastbiegung und der Unterliekspannung einstellen 

MAINSAIL - Target depths and draft positions

APPARENT
WIND
(Knots)

LOWER STRIPE

MIDDLE STRIPE

UPPER STRIPE

Depth

Position

Depth

Position

Depth

Position

 

 

 

 

 

 

 

Diese Angaben sind nur generelle Richtwerte. Auch mit der besten Technik zum Ausmessen der Segel ist ein Fehlerbereich von plus/minus 2-3 Grad für die Wölbungsposition typisch.

Die Wölbungstiefe eines Segels ist entscheidend für die Leistung, insbesondere beim Großsegel, das seine Form radikal ändern muss, um sich den unterschiedlichsten Windbedingungen anzupassen. Das primäre Mittel zum Anpassen der Wölbungstiefe in den oberen zwei Dritteln des Segels ist die Mastneigung. Beim Krümmen des Mastes wird das Vorliek vom Achterliek weggezogen, was mehrere Auswirkungen hat – das Segelprofil wird flacher, das Achterliek wird geöffnet und die Wölbung wird nach hinten verschoben (siehe unten).

© North Sails
Wir werden das in dem Kapitel „Masttrimm“ noch erklären. Es gibt viele Möglichkeiten, die Mastneigung einzustellen. Diese umfassen das Einstellen der Mastfischung und der Neigung der Mastspur, der Achterstagspannung, der Backstagen, der Jumpstagen, des Baumniederholers usw. Die Lektion aus der Trimm-Grafik war, dass die Mastneigung mehr verändert als nur die Wölbungstiefe des Großsegels. Soll das Großsegel flach sein, aber denselben Twist und dieselbe Wölbung wie zuvor aufweisen, sind zwei Einstellungen vorzunehmen. Zunächst ist die Großschot dicht zu holen. Das Krümmen des Mastes hat die Mastspitze dichter zum Ende des Baumes gebracht, was dem Achterliek erlaubt, mehr offen zu twisten.

Als Zweites ist das Cunningham dichter zu ziehen. Als sich der Mast gekrümmt hat, hat er die Fülle aus dem vorderen Teil des Segels gezogen und ein Profil mit einer weiter hinten gelagerten Wölbung gelassen. Das Cunningham wird dem Vorliek die Krümmung zurückgeben (siehe unten).

Ein ordentliches Großsegel sollte flach gezogen sein, wenn der Mast die maximale Neigung erreicht hat (siehe unten). Mit einer dicht geschoteten Großschot und dicht geholtem Cunningham sollte die Wölbungstiefe des Großsegels auf ca. 8% reduziert sein. Diese Form, ideal für starke Winde und flaches Wasser, wird ruhig hinter dem Mast stehen, ohne zu schlagen oder Widerstand zu erzeugen.

Übersteigt die Mastneigung die vorgegebene Vorliekrundung des Segels, kann das Großsegel nicht flacher gezogen werden. Es entsteht ein Gegenbauch, da das Achterliek von einer durch die langen diagonalen Falten hervorgerufenen Achse abfällt. Man wird lange überdehnte Falten sehen, die vom Schothorn bis zur Mastmitte reichen (siehe unten).
© North Sails

Das Großsegel mit Gegenbauch zu fahren, hilft manchmal bei starkem Wind, wenn es darauf ankommt, den Segeldruck zu reduzieren. Generell schadet es jedoch den Am-Wind-Eigenschaften, da das Achterliek nicht straff ist. Sind also überdehnte Falten zu sehen, lösen Sie das Achterstag oder ziehen Sie die Backstagen dichter, damit der Mast gerader ist.

Die Mastbiegung ist manchmal sowohl bei sehr leichten Winden als auch bei starken Winden erforderlich. Aufgrund der Aerodynamik bleibt Luft, die sich langsam bewegt, leichter an einem flachen Segel mit offenem Achterliek hängen als an dem Segel mit tiefem Profil, was man vermuten könnte. Da die Windkraft nicht genug ist, um bei leichtem Wind den Mast zu krümmen, werden viele Großsegel zu voll sein. Somit muss der Mast vorher mit Hilfe der Riggspannung „künstlich“ gekrümmt werden (wie es beim Masttrimm beschrieben ist), bis die Wölbungstiefe des Großsegels auf ca. 14 oder 15% reduziert ist.

Unterliekstrecker 

Die beste Methode, die Wölbungstiefe im unteren Drittel des Großsegels einzustellen, ist mit Hilfe des Unterliekstreckers. Grundsätzlich gilt, je dichter der Unterliekstrecker, desto flacher ist der untere Teil des Segels (siehe unten). Sind die Wellen im Verhältnis zum Wind groß, sollte der Unterliekstrecker etwas gefiert werden, um mehr Segeldruck zu erhalten. Sind die Wellen im Verhältnis zum Wind hingegen klein, wie bei ablandigem Wind, sollten Sie den Unterliekstrecker dichter holen, um das Segel flacher zu machen und den Widerstand zu verringern.

© North Sails
Neben der Wölbungstiefe verändert der Unterliekstrecker auch die Spannung des unteren Achterlieks. Das Fieren des Unterliekstreckers hat eine größere Wölbungstiefe im Fuß des Segels zur Folge, was hingegen das untere Achterliek schließt. Umgekehrt öffnet das Dichtholen des Unterliekstreckers das untere Achterliek. Sie können diesen Unterschied sehen, wenn Sie vom Achterstag aus nach vorne schauen oder wenn Sie von unterhalb des Baumes auf den Winkel der unteren Segellatte blicken.

Je dichter das untere Achterliek ist, desto luvgieriger wird Ihr Boot. Deshalb ist es sinnvoll, den Unterliekstrecker bei starkem Wind dicht zu holen, um das Achterliek zu öffnen und den Ruderdruck zu reduzieren. Wenn Sie ein Reff haben, das das Segel flach zieht, wird dies den Fuß des Segels noch flacher ziehen als das maximal dicht geholte Unterliek.

Next:

» Die Position der Tiefe mit der Vorlieksspannung bestimmen